Eigentlich sollte es ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte des PSV Münster werden: Gleich sechs Dan-Anwärterinnen und -Anwärter hatten sich für die Dan-Modulprüfung am 06. Juni 2026 in Beckum vorbereitet. Nach über einem Jahr systematischen, disziplinierten Trainings schien alles auf einen starken gemeinsamen Auftritt hinauszulaufen – doch es kam anders als geplant.
Bereits in den Tagen vor der Prüfung zeigte sich, dass dieser Termin von Verletzungen und kurzfristigen Umstellungen geprägt sein würde. Mehrere Prüflinge erwischte es sprichwörtlich auf der Zielgeraden. Einige konnten aufgrund akuter gesundheitlicher Probleme gar nicht mehr antreten, andere stellten sich trotz deutlich spürbarer Blessuren der Kommission.
Verletzungspech kurz vor dem Ziel
Besonders hart traf es zwei unserer am besten vorbereiteten Dan-Anwärter: Melanie und Daniel hatten über Monate hinweg konsequent an Technik, Timing und Abstimmung gearbeitet. Doch nur wenige Tage vor der Prüfung verletzten sich beide unabhängig voneinander ernsthaft. Bei Daniel bedeutet dies einen Ausfall von mehreren Wochen bis Monaten – ein Rückschlag, den man nach einer so langen und strukturierten Vorbereitung nur schwer verdauen kann.
Auch Melanie blieb nicht verschont: Ein vermutlich gebrochener oder angebrochener großer Zeh ist eigentlich ein klarer Grund, den Fuß hochzulegen – und nicht gerade die ideale Ausgangslage für eine Dan-Prüfung. Zusätzlich verlor sie durch Daniels Ausfall ihren fest eingespielten Uke für die Nage-no-kata. Aufgeben war für sie allerdings keine Option.
Durchgebissen zum schwarzen Gürtel – wir gratulieren Melanie
Kurzfristig fand sich mit Gerold ein neuer Uke, der sich trotz eigenen Programms bereit erklärte, einzuspringen. In der kurzen verbleibenden Zeit vor der Prüfung stimmten sich beide so gut wie möglich ab, passten Wege, Timing und Griffe an – eine Herausforderung, gerade im Modul Kata, in dem eingespielte Paare normalerweise über lange Zeit gemeinsam trainieren.
Am Prüfungstag trat Melanie getapet mit ihrer Verletzung an, biss sich sprichwörtlich durch und zeigte in der Nage-no-kata eine konzentrierte, solide Leistung. Die Kommission honorierte diese Performance: Mit dem Bestehen ihres letzten Moduls erwarb sie die Voraussetzungen für den 1. Dan und trägt seit dem 06. Juni zu Recht den schwarzen Gürtel. Ein wirklich großer Schritt in der Laufbahn einer Judoka und ein starkes Zeichen für konsequentes Training, gutes Teamwork, Durchhaltevermögen und Einsatz. Der PSV Münster gratuliert ganz herzlich zu diesem Erfolg.
Verschobene Chancen und offene Baustellen
Ebenfalls kurz vor der Prüfung erwischte es Lars, der sich ernsthaft verletzte und damit als Uke für Maike ausfiel. Beide entschieden sich, ihre Prüfung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Angesichts der Bedeutung einer Dan-Prüfung ist dies eine schwierige, aber verantwortungsbewusste Entscheidung – zumal ein Dan-Abschluss nicht nur ein technisches, sondern auch ein gesundheitliches und mentales Gesamtpaket erfordert.
Unsere beiden verbliebenen Prüflinge, die an diesem Tag in der Kata antraten, konnten die erforderlichen Anforderungen leider noch nicht vollständig erfüllen. Neben der besonderen Prüfungssituation und dem damit verbundenen Druck zeigte sich, dass für eine Dan-Prüfung neben Trainingsfleiß auch eine frühzeitige und gezielte Vorbereitung von großer Bedeutung ist. Gerade in der Kata sind ein tiefes Verständnis der Inhalte sowie die intensive Erarbeitung technischer Details, Abläufe und Zusammenhänge unter fachlicher Anleitung entscheidende Erfolgsfaktoren. Auch wenn das Ergebnis zunächst enttäuschend sein mag, haben beide wichtige Erfahrungen gesammelt und verfügen über eine solide Grundlage, auf der sich für einen erneuten Prüfungsantritt gezielt aufbauen lässt.
Ausblick und Empfehlung
Aus Trainersicht ist die Empfehlung klar: jetzt nicht aufgeben. Zunächst ein wenig Abstand gewinnen, den Tag sacken lassen, dann gemeinsam mit kühlem Kopf analysieren, wo es gehakt hat – und anschließend mit einem angepassten Konzept neu ansetzen. Die investierte Vorbereitungszeit ist keinesfalls verloren, sondern das Fundament für den nächsten Versuch auf dem Weg zum Dan.
Trotz Verletzungspech, Verschiebungen und nicht erfüllten Erwartungen war die Dan-Modulprüfung in Beckum damit ein intensives Wochenende, das vieles von dem sichtbar gemacht hat, was Judo und insbesondere den PSV Münster auszeichnet: konsequentes Training, Teamgeist, vorbildliche Hilfsbereitschaft, den Mut, sich auch unter schwierigen Bedingungen einer Prüfung zu stellen, und die Bereitschaft, Rückschläge als Teil des Weges anzunehmen.
